Kloster(ruine) Arnsburg10. April 2008  

Der Aufschwung ist angekommen -

zumindest in Bad Nauheim. Dorthin sollte ich Anfang der Woche nämlich seit längerem wieder mal auf Dienstreise fahren, aber es war kein Hotelzimmer zu bekommen. Ob das nun an den vielen Telekom-Kleinaktionären lag, die die Prozesseröffnung um die Börsengänge des Rosa Riesen direkt mitverfolgen wollten, oder ob es doch eine Messe in Frankfurt/M. war, es gab nichts mehr. Also bin ich in der 20km entfernten Alten Klostermühle untergekommen, und das war wirklich ein eindrucksvolles Erlebnis.
Das Kloster ist ein sehr großes Anwesen, das weitgehend erhalten ist, nur die alte Klosterkirche hat das Dach eingebüßt, nachdem sie vor 200 Jahren aufgegeben wurde. FriedhofIm Inneren des Kreuzganges befindet sich noch ein Friedhof für die Toten des 2. Weltkrieges, Soldaten beider Seiten, Kriegsgefangene und Zivilisten sind hier gemeinsam sehr würdig zur letzten Ruhe gebettet.
Ein schöner Rundgang, den ich da am Morgen vor meiner Schulung noch machen konnte, Geschichte der Jahrhunderte direkt zum Einatmen.
Dafür hat mich dann wenige Minuten später das Mietwagen-Navigationssystem trotz vorgewählter Option "Autobahn vermeiden" und eingeschaltetem Staumeldungsempfang direkt in den nicht besonders überraschenden Stau vor Bad Nauheim geführt. Technik ist eben auch nicht alles ...

Außerdem musste ich letzte Woche wieder mal einen Leserbrief schreiben. Das kleine Elbepark-Blättchen hatte einen unscheinbaren und ziemlich primitiven Artikel zum Thema "Einkaufen am Sonntag". Den konnte man nicht unkommentiert lassen:

Lieber Erwin,
ich lese das ElbePark-Journal immer recht gerne, denn wir wohnen gleich um die Ecke und können bei schönem Wetter hinlaufen, und auch sonst werden wir dort mit den allermeisten Dingen gut versorgt, die man so braucht.
Ruine
In der letzten Ausgabe habe ich mich aber sehr über die Rubrik "Erwin spaziert im Elbepark" gewundert. Das Einkaufen am Sonntag steht doch nicht deswegen in der Kritik, weil Pfarrer Angst davor haben, dass die Leute nicht zum Gottesdienst kommen. Es erheben sich so viele Stimmen dagegen, weil es ein weiterer Schritt auf dem Weg der allgemeinen Maßlosigkeit ist. Wir Menschen wollen immer mehr Besitz, mehr Ansehen, mehr Macht - und schaffen dabei mehr Umweltzerstörung, mehr Neid und mehr Kriege. Und das fängt bei jedem einzelnen Menschen an - bei mir selbst. Der Sonntag ist unsere Chance, einmal innezuhalten in diesem "immer mehr" - Kreislauf, etwas Zeit zur eigenen Besinnung zu haben und Gelegenheit, mit Familie oder Freunden etwas Schönes und Verbindendes zu unternehmen. Und dazu ist gemeinsames Spielen, Wandern oder Unterhalten viel besser geeignet als ein weiterer "Konsumkick".
Die zulässigen Einkaufszeiten sind inzwischen soweit liberalisiert, dass jeder seine Chance zum entspannten Einkauf finden kann. Dazu brauchen wir den Sonntag nicht. Und die Anmerkung, es ginge nur um 4 Sonntage, ist schon fast eine böswillige Täuschung: Wieviele Einkaufszentren planen denn diese 4 Wochen unabhängig voneinander? Wer diesen Sonntag im Elbepark einkauft, kann nächsten Sonntag im Seidnitz-Center shoppen, dann in der Altmarkt-Galerie, auf der Prager Straße, im Kaufpark Nickern, in Bannewitz oder spätestens in Chemnitz - irgendwo ist dann immer etwas offen. Und der ruhige Sonntag dahin.

Ich hoffe, dass der Sonntagseinkauf bei uns nicht zur schlechten Angewohnheit wird. Es gibt wirklich genügend gute Dinge, mit denen man den Sonntag feiern kann.
Mit freundlichen Grüßen - Christoph Nitsche


In diesem Sinne wünschen wir allen ein paar gemütliche Sonntage -  Christoph & Dorit

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